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15.03.2010 Dresdner Neueste Nachrichten

Trockene Füße für die Eremitage. Sächsisches Unternehmen hilft dem Welterbe-Bau in St.-Petersburg

Es gibt nicht viele Museen auf dieser Welt, die einem bei entsprechender Frage sofort durch den Kopf gehen. Zu den wenigen gehört zweifellos die Eremitage in St. Petersburg. Der riesige Bau mit mehr als 1000 Sälen, direkt an der Newa gelegen, gilt als zentraler Bestandteil der Innenstadt, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe geadelt wurde. Fünf Gebäude gehören zum Eremitage-Museum: Kleine Alte und Neue Eremitage, das Eremitage-Theater und das Winterpalais, wichtiger Ort der Oktoberrevolution.

Die Flusslage eines der größten Gebäudekomplexe der Welt gibt dem Bau natürlich etwas Romantisches. Sie und die Tatsache, dass St. Petersburg auf sehr sumpfigen Boden gebaut ist, sind aber auch die zentralen Probleme. Denn die dicken Gemäuer sind feucht, an manchen Stellen richtiggehend nass. Auf russischer Seite wurde beschlossen, nachhaltig Abhilfe zu schaffen. Entscheidende Unterstützung bekommen die Museumsleute von der Firma Drymat Systeme aus Niederwiesa bei Chemnitz.

"Wir hatten es schwer, weil hier natürlich schon einiges getestet worden war, um die Mauern trockenzulegen", erzählt Frank Lindner, der Firmenchef. Die Sachsen bekamen jedoch eine Chance, sich zu beweisen: Im Oktober 2005 begann der Lauf einer Probeinstallation, die bis März 2006 dauerte. "Der Direktor der Eremitage hat sich das selbst angesehen und war begeistert", sagt Lindner. Auch eine russische Firma habe vor Ort die Ergebnisse analysiert und dann grünes Licht gegeben. Das war der Durchbruch - der Auftrag ging von St. Petersburg ins kleine Niederwiesa. Gut sei, dass durch fehlenden Putz die drei bis sechs Meter starken Mauern gut "atmen" könnten, sagt Lindner. "So verdunstet die Feuchtigkeit aus der Wand schneller." Nicht nur die Nässe ist dabei ein Problem. "Die Feuchtigkeit bringt Salze mit ins Gemäuer, die wiederrum die Bausubstanz schädigen", erläutert der Firmenchef. Das habe eine entsprechende Untersuchung des Institutes für Denkmalpflege in Dresden bestätigt. Eine Expertise des Dresdner Professors und Architekten Christoph Dielitzsch untermauert zudem die These, dass mit Hilfe der Drymat Systeme eine lang anhaltende, die in den Kern des Mauerwerks reichende Trocknung möglich sei. Die ersten zehn Anlagen sind im Winterpalais bereits eingebaut worden. "Etappenweise werden wir insgesamt 191 davon installieren", blickt Lindner voraus. Die Systeme würden dann in einer Art Dauerbetrieb laufen. "Die sind aber auch dafür konstruiert, das ist Qualitätsarbeit aus dem Erzgebirge", zeigt er sich optimistisch. Das System müsste auch einiges verkraften, zum Beispiel auftretende Spannungsschwankungen im russischen Stromnetz. "Die Technik muss das abhalten können." Die Größenordnung dieses Auftrages liegt laut Lindner übrigens im höheren sechsstelligen Bereich, auch wenn er darüber "wegen der Konkurrenz" nur ungern spricht. Die Bausubstanz eines der größten Gebäude der Welt könne dank der Technik ganz behutsam getrocknet werden, sagt Lindner. Nun, nachdem seine Firma - vierzehn Festangestellte und mindestens noch einmal genau so viele freie Mitarbeiter - den Zuschlag bekommen hat, geht der Blick natürlich nach vorn. "Diese Referenz soll unser internationales Zugpferd werden", hoffe er.

Das kleine Unternehmen werde nun unter anderem in Tschechien, Ungarn und der Schweiz aktiv. Gut möglich, dass dieses eindrucksvolle Vorzeigeobjekt zum Türöffner wird. Ein äußerst prominenter stiller Beobachter ist dem Projekt in St. Petersburg dagegen jetzt schon sicher. Immerhin gehört die Eremitage zu einem der erklärten Lieblingsbauten von Russlands Präsident Wladimir Putin.